Börsentipps März 2019

Kaufen, halten, verkaufen? Wie immer schwierig. Aber der Reihe nach: Alle sitzen auf einem Sack voller Geld und sehen, dass die Konjunktur abgleitet und die Notenbanken kaum Möglichkeiten zum Handeln haben. Diese Aussagen lassen sich leicht auffächern: So berichtet die Anlagebranche anlässlich der Veranstaltung „Super Return“, dass sie auf nicht investierten Mitteln von gut einer Billion Dollar sitzt und Anlagemöglichkeiten sucht. Auch Waffen Buffet geht es nicht anders. Ende 2018 hatte seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway ein Aktienportfolio von 173 Mrd. Dollar und eine Cash-Position von 112 Mrd. Dollar. Zu beachten ist, dass Buffet seine Positionen hebelt, so dass sein Portfolio genügend Chancen und Risiken birgt, so hatte er im letzten Quartal einen Nettoverlust (dank Appel und Kraft Heinz) von 25 Mrd. Dollar, wobei zu beachten ist, dass das gesamt Konglomerat einen Bilanzwert von 500 Mrd. Dollar hat, was das Ganze und die täglichen Kursschwankungen von 2 Mrd. Dollar relativiert. Was macht die Konjunktur? Hier kann man auf international stark verflochtene deutsche Wirtschaft abstellen: Das ifo-Geschäftsklima hat sich in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt und macht damit bisher wenig Hoffnung auf eine Belebung der deutschen Konjunktur in der ersten Jahreshälfte 2019. Auch der Einkaufmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe gab mit 47,6 Punkten für Februar sogar auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren nach. Lediglich die Erholung des PMI für den Dienstleistungssektor von 53,0 auf 55,1 Punkte im Februar ist ein Hoffnungsschimmer. Den Index der Verbraucherpreise hat man modifiziert indem das Basisjahr von 2010 auf 2015 hochgesetzt wurde mit der Folge, dass für Januar die Inflation von 1,6 % auf 1,4 % zurückgegangen ist; insgesamt bleibt der Preisdruck in der Währungsunion weiter niedrig. Was macht das geopolitisch relevante Umfeld? Den Brexit mag man nicht mehr kommentieren, es zeigen sich aber Vernunftaspekte im spleenigen Britannien. Die US-Wirtschaft brummt. Die Zollverhandlungen USA/China kommen wohl zu einem verträglichen Ende, was wohl auch für die Zölle der USA im Verhältnis zu Europa gelten dürfte. In China steuert die Regierung mit Konjunkturprogrammen gegen. Gut möglich ist, dass es nicht zum Ärgsten kommt. Einiges deutet auf eine sanfte wirtschaftliche Landung hin. So sind etwa die Energiepreise vergleichsweise moderat – für sich genommen ist dies eine konjunkturelle Unterstützung. Wichtiger aber wohl noch: Vom Finanzzyklus scheint derzeit keine Gefahr auszugehen. Untersuchungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge ist in der Breite, das heißt über eine Vielzahl an Industrie- und Schwellenländer hinweg, die Stärke des Finanzbooms ein verlässlicherer Maßstab dafür, wie stark Rezessionen ausfallen können. Kam es in der Vergangenheit zu Phänomenen wie einer exzessiven Kreditaufnahme und Preisblasen an den Finanzmärkten, so folgten regelmäßig stärkere Konjunktureinbrüche. Eine aktuell gute Nachricht ist daher: Auch, wenn sich global die Verschuldung seit der Großen Finanzkrise 2008 erhöht hat, ist der Finanzzyklus noch weit von einem Boom entfernt. Auf Sicht der kommenden zwei bis drei Jahre steht dies zwar nicht im Widerspruch zu einer Verlangsamung. Mit Blick auf den Härtegrad der Landung ist aber zunächst einmal Aufatmen angesagt. Dennoch gebietet das Vorsichtsprinzip, sich auf schlechtere Zeiten einzustellen. Naturgemäß fällt dabei der Blick schnell auf die Möglichkeiten von Fiskal- und Geldpolitik zum Gegensteuern. Und hier stimmt die in vielen Ländern gestiegene Staatsverschuldung bedenklich. Dies lässt kaum Spielraum für antizyklische Ausgabenprogramme. Und die Geldpolitik? Nun, hier fällt auf, dass sich die EZB trotz jahrelang robuster Konjunktur noch nicht vom Krisenmodus verabschiedet hat. In einem ausdauernden Kampf um und für Inflation hat sie sich erst kürzlich entschlossen, ihr außerordentliches Anleihenkaufprogramm zurückzufahren; und die Leitzinsen stehen weiter bei null. Sprich: Es wurde kein „Zinsvorrat“ angehäuft, um mit dem klassischen Instrument – Zinssenkung – gegensteuern zu können. Bei der US-Fed sieht es etwas anders aus: Hier ist die Notenbankbilanz bereits wieder geschrumpft und mit neun Zinserhöhungen hat die Bank nach dem „Modell Eichhörnchen“ für den konjunkturellen Winter vorgesorgt. Gleichwohl liegt auch hier das Leitzinsniveau mit 2,25, bis 2,50 Prozent nach traditioneller Einordnung immer noch unter dem sogenannten natürlichen Zinsniveau, das die Wirtschaftsaktivität weder anregt noch drosselt. Offenbar sollen die Märkte auf die – eigentlich unerträgliche – Alltäglichkeit von Negativzinsen vorbereitet werden. Zusammen mit anderen Überlegungen, die aus der akademischen Welt und Notenbankzirkeln ventiliert werden, um den Möglichkeitenraum im Bereich negativer Zinsen zu erhöhen – etwa die Vermeidung erhöhter Bargeldhaltung zwecks Umgehung – impliziert dies zwei schlechte Nachrichten: Erstens für Anleger: Der Wert einer ganzen Anlageklasse, nämlich zinstragende Aktiva, bleibt verzerrt. Investoren werden daher weiter gezwungen, stärker ins Risiko zu gehen als sie möglichweise können. Zweitens ist dies aber auch eine schlechte Nachricht für die Währungen selbst. Denn wenn der Emittent einer Währung mit Ideen zu Schwundgeld selber aktiv gegen eine der Grundfunktionen – gemeint ist die Eigenschaft der Wertaufbewahrung – vorgeht, dann spielt er mit Blick auf das überlebensnotwendige Vertrauen in Institution und Geld letztlich mit dem Feuer. Die Notenbanken sollten sich genau überlegen, was eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik überhaupt noch bringt und ob mögliche positive Effekte die negativen Nebenwirkungen wirklich übersteigen. Zweifelhaft ist, ob eine weitere Lockerung der Geldpolitik noch konjunkturelle Vorzieheffekte auslösen kann. In der vorherrschenden ökonomischen Theorie sollen niedrige Zinsen die Menschen dazu bringen, heute weniger zu sparen, stattdessen Konsum in die Gegenwart vorzuziehen und so die Konjunktur anzuschieben. Aber wenn die Zinsen schon viele Jahre sehr niedrig sind, könnten solche Vorzieheffekte ausgereizt sein. Man kann nicht unbegrenzt Konsum in die Gegenwart vorziehen, wenn man in der Zukunft nicht in die Röhre schauen will. Das gilt erst recht, wenn dauerhaft niedrige Zinsen die Zinseinnahmen der Bürger so drücken, dass ihre Altersvorsorge gefährdet ist und sie heute sogar mehr sparen und weniger konsumieren müssen, um im Alter genügend Einkommen zu haben. Im Extremfall können negative EZB-Zinsen die Konjunktur sogar dämpfen. Außerdem sind die negativen Nebenwirkungen der Politik des billigen Geldes bereits jetzt sichtbar. So schläfert sie Reformanreize in Ländern wie Italien ein, hält eigentlich unprofitable Unternehmen auf Kosten gesunder Firmen über Wasser und leistet dem Entstehen gefährlicher Übertreibungen an den Immobilienmärkten etwa in Deutschland Vorschub. Die Anhänger einer weiteren Lockerung der Geldpolitik übersehen zudem die Ursache der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche. Sie liegt nämlich kaum an der Binnennachfrage, die - wenn überhaupt - von der Geldpolitik angeschoben werden könnte. Stattdessen kommen die Probleme vom Export. So hat das Nachfragewachstum aus China in den zurückliegenden zwölf Monaten deutlich nachgelassen - auch wegen des Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten. Aber daran kann die EZB mit einer noch lockereren Geldpolitik nichts ändern. Nicht zu übersehen ist, dass die Börsen seit Jahresbeginn angezogen haben. Ist der Börsenabschwung also endgültig passé? Lohnt sich vielleicht sogar wieder der Einstieg in Aktien? Wie oben erwähnt, sind die großen makroökonomischen Themen noch nicht vom Tisch, aber von der Tendenz her läuft der Hase so: Die Unternehmensgewinne dürften (weiter) sinken, die Zinsen bleiben unten und alternative relevante sichere Anlagemöglichkeiten fehlen. 2019 wird durch hohe Volatilität und überschaubare Renditepotentiale gekennzeichnet sein, so sollte die Erholungsrally ein guter Zeitpunkt sein, um seine Risikopositionen im Portfolio herunterzufahren und sich robuste Titel oder Fonds zu suchen. Es kann sein, dass die Märkte (leicht) weiter durchsacken, aber ein Ausverkauf ist nicht in Sicht. Nun wird ja bekanntermaßen an der Börse zum Einstieg nicht geklingelt. Man kann es beispielsweise wie Buffet halten: Positionen halten bzw. aufbauen und genügend Cash halten, um bei Rückgängen nachzukaufen. Dem Normalanleger seien breit streuende ETF empfohlen, wobei diese kostengünstigen Anlagevehikel mittlerweile auch stark fokussiert angeboten werden. Im Trend liegen ETF mit dem Fokus Digitalisierung/Automatisierung/KI. Interessant war in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die neben den geringen Kosten der ETF zu beachtende Differenz zwischen An- und Verkaufskurs um die Mittagszeit am geringsten ist; eher relevant für Trader und nicht den Langfristanleger aber gleichwohl beachtenswert, denn die Kosten sind mit schlachtentscheidend für den Anlageerfolg.

Wie immer an dieser Stelle ein paar Bonmots zum Aktienmarkt, diesmal alle von Karl Lagerfeld, kein Aktienexperte, hat eine halbe Mrd. Euro hinterlassen, wusste somit wie der Hase läuft:

  • „Ich glaube an zwei Sachen: Ganz teuer oder ganz billig“. Relevant hier für die Firmenstrategien, Luxus läuft und Billigketten mehr oder minder auch.
  • „Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt.“ Gruß von Keynes mit seinem makroökonomischen Deficit Spending. Ansonsten dürfte das nur Gültigkeit haben für Selbstdarsteller wie KL, also für uns Normalos wird das mikroökonomisch voll danebengehen.
  • „Zukunft ist die Zeit, die übrig bleibt“. Äußerst relevant: Wenn Sie Ihren Anlagehorizont definieren, denken Sie künftig an KL, schauen Sie hierfür in Ihren Personalausweis, Ihr letztes Blutbild und in die aktuelle Sterbetafel.

Der Tod von Karl lag bei einer Aktion seiner Zeichnungen am Samstag vor seinem Tod schon in der Luft: Die für seine Modeskizzen aufgerufenen Preise schossen urplötzlich in die Höhe von einem RIZZI. Der Autor hat sich für RIZZI entschieden. Warten wir ab. Bei Lagerfeld waren es schwarze Unikate, bei RIZZI signierte bunte Kopien, was wohl besser für die liebe Seele ist.

Haben Sie Rentabilitätsprobleme, sei es mit dem Hintergrund Schweiz oder der geringen Höhe aufgrund der Bankenhonorare oder sind Sie hinsichtlich Ihrer Vermögensdispositionen und Altersvorsorge unsicher, lassen Sie sich von uns beraten. Für ein unverbindliches erstes Beratungsgespräch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir beraten gegen Honorar und ohne Fixkosten, insbesondere behalten Sie hierbei die Verfügungsmacht und ihr Vermögen in der Hand und wir werden nicht von dem Produkteanbieter bezahlt.

Wollen Sie Ihr Unternehmen gegen die weiterhin instabile Konjunktur und die anhaltende Systemkrise sturmfest machen, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir checken Ihr Geschäftsmodell und unterstützen Sie bei der strategischen Adjustierung.

Wir organisieren für Sie die Unternehmensnachfolge und nehmen im Vorfeld gerne eine indikative Unternehmensbewertung vor, damit Sie überschlägig eine Markteinschätzung ihres Unternehmens gewinnen.

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