Börsentipps August 2017

Kaufen, halten, verkaufen? Wer sich den 5-Jahres-Chart des DAX anschaut kommt nicht umher festzustellen, dass die Kurse seit Mai nicht mehr steigen und ab Mitte Juni einen Rückwärtsgang eingelegt haben. Was sind die Ursachen? Der Wirtschaftszweig der Automobilindustrie hat bundesweit insgesamt rd. 817.000 Beschäftigte und ist damit hinter dem Maschinenbau und vor der Chemischen Industrie eine tragen Säule des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Die Dieselkrise und die Eurostärke haben hier erhebliche Flurschäden angerichtet. "Der Autosektor droht zum Finanzsektor 2.0 zu werden und drückt dank seiner Gewichtung gewaltig auf den Index", wird bereits kolportiert. War zunächst nur VW im Fokus, so ist es mittlerweile die ganze Branche, die wohl auch gemerkt hat, was Hayek unter der „Eiseskälte des Wettbewerbs“ wohl verstand und regelmäßig wettbewerbsverhindernde Absprachen vorgenommen hat. So ist die schöne Daimler-Aktie von 73 auf knapp 60 heruntergezogen worden. Ist die Industrie schuld? Als 2007 die EU auch mit Deutscher Unterstützung die Emissionsgrenzwerte festlegte, hielt die Industrie fest, dass die Werte technologisch nicht zu erreichen seien. Die ganze Industrie hat ihr Glück durch feingestellte Software korrigiert und steht beim Diesel nunmehr vor dem Dilemma, dass die Software wohl nicht ausreicht, so dass auch die Hardware, also der Motor vieler Millionen Autos überarbeitet werden muss, was finanziell nicht zu stemmen ist, da das liebe Geld für den offensichtlich vernachlässigten Bereich der Elektromobilität benötigt wird. Die Länderchefs der regionalen Branchenschwerpunkte Baden-Württemberg und Bayern wollen mit Kaufprämien die Industrie am Laufen halten. Wer kauft sich aber jetzt einen Diesel, von dem er nicht weiß, ob er ihn je wieder verkaufen kann. Umweltministerin Hendricks will hier offenbar die Belastbarkeit der Industrie testen und fordert eine zusätzlich Kontrollbehörde außerhalb des Bundesverkehrsministeriums. Wer auf der anderen Seite sieht, dass Tesla für sein neues Modell 3 eine halbe Million Vorbestellungen abarbeiten muss, dem schwant etwas Böses auf den Industriestandort Deutschland zukommen, denn die Industrien sind ja alle über Lieferketten verbunden, am Automobilbau hängen zum Teil der Maschinenbau und auch die Chemische Industrie. Warten wir die Berichtssaison ab, denn in den nächsten Tagen wird die Hälfte der DAX-Konzerne vorläufige oder endgültige Zahlen für 2016 vorlegen. Auch Druck bekommt die Deutsche Industrie vom starken Euro. Seit Jahresbeginn hat der Euro gegenüber dem Dollar 13 US-Cent gewonnen, die sicherlich teilweise auch auf die Führungsschwäche des amerikanischen Präsidenten zurückzuführen ist. Die EZB wird hier gegenhalten, denn neben den Industrieinteressen an einer schwachen Gemeinschaftswährung haben insbesondere die Südländer kein Interesse, die Zinslasten ihrer Haushalte zu erhöhen. Die EZB wird daher die Geldpolitik nicht zügig straffen, obwohl dieses aus anderen Gründen notwendig ist, auch die FED wird sich mit dem Abbau ihrer Bilanz Zeit lassen, um die amerikanische Wirtschaft nicht zu bremsen. Die monatliche Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern zeigt eine wachsende Sorge über Fehler der amerikanischen Notenbank und einen daraus folgenden Kurseinbruch am Anleihemarkt. Es werden Kursverluste bei den zu erwartenden Verkäufen bzw. nicht weiter praktizierten Käufen erwartet. „Zu viele Investoren sehen die FED als Auslöser von Kursverluste am Anleihemarkt“, heißt es in der Bank of America. Interessant ist, dass der Anteil amerikanischer Aktien in den Fonds der befragten Manager auf weniger als 20 Prozent gefallen ist. Das ist der niedrigste Stand seit dem Jahre 2008 und verdeutlicht, dass die Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Konjunkturaufschwungs in den Vereinigten Staaten zunehmen. Dementsprechend befinden sich auch die Erwartungen weiter steigender Gewinne der Unternehmen in den Vereinigten Staaten auf ihrem niedrigsten Stand seit der Präsidentenwahl. Für eine angenehme Überraschung am Markt sorgt der Ifo-Index: Statt des erwarteten Rückgangs steigt der viel beachtete Konjunkturfrühindikator auf ein neues Allzeithoch bei 116,0 Punkten. Zuvor hatte der Geschäftsklimaindex bereits im Juni mit 115,1 Punkten ein Rekordhoch markiert, nachdem er davor schon fünf Monate in Folge gestiegen war. Es gibt aber auch andere Stimmen: Der Einkaufs-managerindex des britischen Analyseinstituts Markit, der die Stimmung unter rund 700 Unternehmen in der deutschen Industrie und Dienstlei- stungsbranche erfasst, fiel im Juli gegen über dem Vormonat um 1,3 auf 55,1 Punkte. Die Lehman Krise aus 2007, die die Kurse weltweit auf Talfahrt schickte, ist weiterhin nicht ausgestanden. Die expansive und zinsvernichtende Geldpolitik der EZB birgt gewaltige Nebenwirkungen. Auf 4,2 Billionen Euro ist die Bilanzsumme der Zentralbank mittlerweile angeschwollen, das entspricht fast 40 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Die EZB ist damit längst zur größten Gläubigerin der Währungsunion geworden. Und je länger die EZB kauft, desto stärker gewöhnen sich Finanzminister und Finanzmärkte an die Wohltaten, was einen Ausstieg aus der Politik des ultrabilligen Geldes umso schwieriger macht. „Draghi hat mit dieser Therapie die Symptome zwar erfolgreich betäubt, aber die dahinter stehende Krankheit nicht ausreichend behandelt“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das gelte insbesondere für Italien, das dank der jahrelangen Krisenpolitik der EZB – allen voran Anleihekäufe und Negativzinsen – überhaupt keinen Anreiz mehr habe, um Reformen durchzuführen und Schulden abzubauen. Tatsächlich liegt z. B. die Staatsverschuldung in Italien mittlerweile bei über 130 Prozent des BIP, fast zehn Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren. Trotz des extrem niedrigen Zinsumfelds durch die Krisenpolitik der EZB. In Frankreich, das seit Jahren einen Berg unerledigter Reformen vor sich herschiebt, sieht es ähnlich aus. Doch die fehlenden Reformanreize in der Politik sind nur eine der vielen Nebenwirkungen. „Die Krisenpolitik der EZB schürt auch das Risiko von Blasen, wie man an den rasant steigenden Immobilienpreisen in Deutschland sieht“, warnt Krämer. Die niedrigen EZB-Zinsen trügen außerdem dazu bei, ineffiziente Unternehmen gerade im Süden der Währungsunion am Leben zu erhalten. Tatsächlich warnt eine wachsende Zahl von Ökonomen vor der sogenannten „Zombifizierung“. Gemeint sind damit Unternehmen, die im Grunde nur deshalb noch existieren, weil das Zinsumfeld derart günstig ist und sie dadurch künstlich am Leben gehalten werden. Nach einer Studie der Bank of Amerika finden sich vor allem im Süden der Euro-Zone überproportional viele solcher Unternehmens-Zombies, insbesondere kleinere Firmen mit schwachem Wachstum und geringen Erträgen seien gefährdet. Hier kämpfen die Banken in Südeuropa, insbesondere in Italien, gegen ihre hohen Berge an faulen Krediten an. Erst kürzlich ge- nehmigte die FU-Kommission für drei italienische Banken wieder staatliche Hilfen. Die größten Bedenken äußert die Sachverständige Schnabel mit Blick auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. „Sie gefährdet die Geschäftsmodelle von Banken und Versicherungen und trägt zum Aufbau neuer Risiken im Finanzsystem bei.“ Stabilitätsgefährdend seien vor allem die hohen Zinsänderungs-risiken für die Bankbilanzen. .„Ein abrupter Zinsanstieg könnte die Solvenz der Banken bedrohen“, warnt Schnabel. Was tun? Auf die bekannten globalen und europäischen Risiken haben wir hier regelmäßig hingewiesen. Sorgen über die Kreditvergabe in China die Angst vor einem Auseinanderdriften Europas werden als größte aktuelle Marktrisiken genannt und vor allem sind die Kurse weltweit sehr hoch. Also weiterhin Vorsicht walten lassen wegen den hohen Bewertungen, insbesondere bei älteren Zeitgenossen, die durch Arbeit nicht mehr verlorenes Kapital wiedergewinnen können. Jüngere Spekulanten oder solche mit viel Geld mögen weiter setzen.

Wie immer an dieser Stelle ein paar Bonmots zu Aktienmarktstrategien:

  • „Geben Sie mir eine gute Regierung, und wir haben eine gesunde Börse“ (Abs),
  • „Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank (Brecht)“,
  • „Sparsamkeit ist die beste Einnahme“ (Cicero).

Haben Sie Rentabilitätsprobleme, sei es mit dem Hintergrund Schweiz oder der geringen Höhe aufgrund der Bankenhonorare oder sind Sie hinsichtlich Ihrer Vermögensdispositionen und Altersvorsorge unsicher, lassen Sie sich von uns beraten. Für ein unverbindliches erstes Beratungsgespräch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir beraten gegen Honorar und ohne Fixkosten, insbesondere behalten Sie hierbei die Verfügungsmacht und ihr Vermögen in der Hand und wir werden nicht von dem Produkteanbieter bezahlt.

Wollen Sie Ihr Unternehmen gegen die weiterhin instabile Konjunktur und die anhaltende Systemkrise sturmfest machen, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir checken Ihr Geschäftsmodell und unterstützen Sie bei der strategischen Adjustierung.

Wir organisieren für Sie die Unternehmensnachfolge und nehmen im Vorfeld gerne eine indikative Unternehmensbewertung vor, damit Sie überschlägig eine Markteinschätzung ihres Unternehmens gewinnen.


Kontaktdaten

Unkelbach Treuhand GmbH
Wirtschaftsprüfer
Steuerberater

Gartenstraße 30
79098 Freiburg im Breisgau

0761/385420
info@unkelbach-treuhand.de